Wenn man die Bundeskanzlerin schon allenthalben „Mutti“ nennt, dann sollte sie sich vielleicht von einer gestandenen Mutter erklären lassen, wie man als Alleinerziehende ein Haus mit eigenen Kindern und vielen verschiedenen Gästen führt. Eine wichtige Empfehlung: Man muss sich selbst an die Regeln halten und selbige auch gegenüber allen gleichermaßen durchsetzen.

 

Ja, Mutter werden ist nicht schwer, Mutter sein dagegen sehr. Als Mutter zweier Kinder kann ich davon ein Lied singen. Und es lassen sich in der Tat erstaunliche Parallelen zu Mutti Merkel feststellen. Ich war lange Zeit eine alleinerziehende Mutter, das ist sie ja irgendwie auch.

Ich hatte endlose Diskussionen mit meinen Kindern und es gab Situationen, da haben sie mir gedroht, sie würden zum Papa ziehen. Natürlich hätte ich nachgeben können, aber was hätte es mir, unserem Zusammenleben und vor allen Dingen den Kindern gebracht? Meine Antwort war, dass es in unserem Haushalt Regeln gibt, die ich bestimme. Es gibt Regeln, über die ich mit ihnen diskutiere und Regeln, über die ich nicht verhandle und dass sie gehen sollen, wenn sie damit nicht zurechtkommen. Keines der Kinder ist gegangen.

Die Parallele zu Merkel wird schnell offensichtlich. Eine Kanzlerin muss Entscheidungen treffen, die nicht jedem recht sind und in Kauf nehmen, dass das Volk eine andere Partei wählt, wenn es ihm zu bunt wird. Dann gehen sie halt zu Papa. Sie kann nicht aus Sorge, dass ihr Wahlvolk sich von ihr abwendet, ihre Überzeugungen aufgeben.

Ein Schlingerkurs, der sich an den Umfragen der Statistiker orientiert, bedeutet für sie, dass ihr Volk sie für wankelmütig und irgendwann nicht mehr vertrauenswürdig hält.

Ich habe mich oft mit meinen Kindern gestritten, endlos diskutiert und weiß wohl, dass es Situationen gab, in denen sie mich zum Mond wünschten und mich gehasst haben (ich sie teilweise auch), im Rahmen ihrer pubertären Verwirrungen. Aber wo steht geschrieben, dass Mutter sein bedeutet, immer geliebt zu werden?

Nie das Gastrecht oder das Wort verboten

Schon in jeder Kindergarten- und Grundschulgruppe sind Verhaltensweisen nach dem Motto „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ verpönt. Ich hatte viele Freunde meiner Kinder, unterschiedlichster Art, zum Spielen, zum Essen und über Nacht in meinem Haus. Einige mochte ich nicht, aber sie durften trotzdem bleiben und auch immer wieder kommen. Ich hätte nichts lieber getan, als meinen Kindern zu verbieten, sie mitzubringen, aber ich habe es nicht getan, in der Hoffnung, dass sie mit der Zeit selbst merken, was gut für sie ist. Viele waren mir erst suspekt, aber ich habe doch auch Bereicherung erlebt und durch sie neue Gedankenanstöße bekommen und viele dann doch gern gehabt. Nie wurde in diesem Hause jemandem, der sich an unsere Regeln hielt, das Gastrecht entzogen, geschweige denn das Wort verboten. Aber mein Hausrecht galt hier immer. Es wurde auch immer wieder diskutiert, aber ich habe nie nachgegeben, es immer durchgesetzt und dieses auch nie bereut.

Noch heute halte ich es so, meine Kinder sind lange groß. Jetzt möchten sie mir den Mund verbieten, weil ich viele Entscheidungen dieser Regierung nicht akzeptieren kann. Sie nennen mich „rechts“, weil ich klar der Meinung bin, dass in diesem Land ein Hausrecht gilt und jeder, der sich daran nicht hält und hier „Gast“ ist, des Hauses verwiesen werden sollte. Sie glauben, ich wäre ein „Nazi“, weil ich es mit unserem Recht auf freie Meinungsäußerung nicht vereinbaren kann, dass ein Mensch, der sich zur AfD bekennt, von seinem Arbeitgeber gefeuert oder gemobbt und drangsaliert wird. Mitbewerber darf man nicht mundtot machen, man muss besser sein als sie! Meine Kinder sagen, dass ich gegen Freiheit bin, weil ich die EU, so, wie sie sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat, kritisiere und ablehne. Aber sie diskutieren das nicht mit mir aus. Ich muss damit leben. Meine Meinung werde ich erst ändern, wenn jemand gute, bessere Argumente hat.

Jetzt sind Sie am Zug, Frau Merkel. Wenn Sie von Ihrer Politik so überzeugt sind, dann werden Sie gute Argumente haben, die über ein „Wir schaffen das“ hinausgehen. Sie müssen – auch auf die Gefahr hin, dass Sie ab September nicht mehr Kanzlerin sind – Ihren Entscheidungen damit Nachdruck verleihen, dass sie die Weichen dafür stellen, dass es überhaupt möglich wird, werden kann. Tatsächlich glaube ich, dass wir es schaffen können, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Leider stimmen sie nicht.

Regeln für Mutti

Die erste ist: Es gibt ein Hausrecht, an das sich alle halten müssen. Jeder benimmt sich entsprechend und wer es nicht tut, bekommt Hausverbot. Zweitens: Klare Ansagen. Wer kein Kotelett mag und zum Mittagessen kommt, nimmt sich halt einen Joghurt aus dem Kühlschrank. Aber es wird weiterhin Kotelett auf dem Speiseplan stehen.

Und die dritte wäre aus meiner Sicht: Jeder Haushalt (Staat) kann innerhalb des Rahmens der Grundgesetze (hier EU) Kotelett und Joghurt anbieten und selbst entscheiden, wie das eigene Hausrecht aussieht.

Dann würde ich Ihnen empfehlen, alle zu überraschen, indem sie mal ein Kanzlerduell mit Frau Petry machen. Sie haben doch die besseren Argumente. Geben Sie doch ein klares Statement ab und nehmen sie der Gegenpartei den Wind aus den Segeln.

Ihr Wahlkampfmanager wird das nicht empfehlen und sie werden es nicht tun. Nicht, weil Sie sich vor der Diskussion drücken wollen. Ich traue ihnen durchaus zu, dass sie sich gegen eine Frau Petry behaupten können.

Nein, weil Sie und Ihr Regierungsgefolge sich schon lange nicht mehr an Ihre eigene Hausordnung halten. Nicht an die dieser Republik und nicht an die der EU. Sie bitten Ihre Gäste, sich daran zu halten und wenn sie das nicht tun, passiert in den meisten Fällen: nichts. Nur die Hausbewohner „die schon länger da sind“, müssen das tun, weil sie auch keine Ausrede haben, die sich auf eine andere Sozialisierung berufen kann. Und dass macht alle guten Argumente unglaubwürdig. Sehr schade…

 

Dieser Artikel ist zuerst erschienen am 11.03.2017 auf http://www.achgut.com/artikel/mutti_merkel_alleinerziehend/

 

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