Tja, da simmer wieder. Es wurde gewählt. Es wird gewählt. Gewählt wurde erst in Holland. Alle haben gewonnen. Die Freiheit, irgendwas, das nicht „rechts“ war, Europa. Da konnten sich alle, in Deutschland, in Europa, den Angstschweiß von der Stirn wischen. Schwungvoll in Egalité vereinigten sich Politik und die „etablierten“ Medien, in den Hohegesang der Sieger über alles, was rechts verortet wird. Eine Analyse der Wahl erspare ich uns. Wir wissen, wer gewonnen hat. Wir wissen auch, warum.

Ein wenig getrübt wird das von Merkel an Europa vorgegebene „Wir schaffen das, mir nach, vorwärts immer, rückwärts nimmer“ von den Wahlergebnissen des Referendums, das Hr. Erdogan jüngstens auf den Weg gebracht hatte.

Die Politiker, die sich äußern, dazu Stellung beziehen müssen, nehmen unterschiedliche Positionen ein, die ich nicht erläutern werde, weil ich davon ausgehe, das jeder, der hier liest, die Statements unserer Bundesgabriels, – steinemeiers, -özdemirs verfolgen konnte und vermutlich leider auch nicht umhin kam, das sinnfreie Gestammel von Grünenroth zumindest zu registrieren.

Jeder, der hier mitliest, schaut und liest die Propagandamedien, hat aber auch vermutlich mal etwas von Hamed Abdel-Samad, Sabatina James, Bassam Tibi, Imad Karim gehört. Wenn nicht, bitte weiterbilden.

Ich möchte sowohl den Wahlausgang, als auch das Résumé , das wir aus dieser Wahl ziehen müssen/wollen/sollen, aus einer anderen Sicht beleuchten. Eine Art pädagogischer Sichtweise, obwohl ich das niemals studiert habe und bitte Sie als Leser um Geduld, weil das eine kleine Zeitreise bedeutet und ein wenig Phantasie.

1961 warb die BRD um Gastarbeiter aus der Türkei. Sie kamen, sie wollten arbeiten. Aber sie hatten immer den Traum im Hinterkopf, wieder heimzugehen. Viele, die meisten, sind nicht gegangen. Die Gründe sind sehr unterschiedlich. Wenige haben sich soweit integriert, das sogar die Kinder, die sie in Deutschland geboren haben, Daniel und Stefan hießen, aber es gab sie. Die meisten sind nicht zurückgegangen, weil sie in er Türkei keine bessere Perspektive hatten, als hier und weil – das ist natürlich meine Sichtweise – Politiker wie Erhard, Strauß und Adenauer Ihnen und uns Sicherheit und Halt vermittelt haben.

Wir haben aus dieser Ära wenige Berichte über Attentate, die mit Allahu Akbar, verübt wurden. Auch Terror von Rechts gab es kaum oder gar nicht, oder wurde von den Medien nicht thematisiert. Wir hatten Dutschke, der hart bekämpft wurde und einen toten Studenten – kurze Zeit später ein Attentat auf Dutschke. Vorkommnisse, die sicher mit der Begründung der RAF in Zusammenhang stehen. Links war damals das Rechts, das verteufelt wurde. Jeder, der sich heute die Mühe machen möchte, Dutschkes Reden auf youtube anzusehen, kann die Gefahr, in der sich die etablierten Parteien befanden, nachvollziehen.

Zu dieser Zeit gab es – wie ich recherchieren konnte – keine Ambitionen, die türkischen Gastarbeiter zu integrieren. Es hat einfach niemanden interessiert und war weder weltpolitisch, noch landespolitisch von Belang. Sie waren halt da, sie haben gearbeitet und auch sonst nicht weiter gestört. Ein Großteil der Türken hat sich nicht integriert. So what? Sowohl sie, als auch die, die sie gerufen hatten, gingen davon aus, das sie „Gast“-Arbeiter waren und irgendwann wieder heim gehen würden.

Und nach über 30 Jahren, nachdem man die Wiedervereinigung halbwegs unter Dach und Fach hatte, musste die politische Elite feststellen, das die Integration mit den Türken nicht funktioniert hatte. Ich hatte – aus meinen Erfahrungen im Kindergarten und in der Schule – integrierte und weniger integrierte Türken erlebt und beides nie in Frage gestellt. Trotzdem sollte man überlegen, wann zum ersten Mal überhaupt die Diskussion, medial angetrieben, aufkam und warum.

Kein Türke – weder Erwachsene noch die Kinder – haben mich je respektlos behandelt. Ich kann mich an keine Situation erinnern, wo mir ein türkischer Vater oder ein Klassenkamerad meiner Kinder den Handschlag zur Begrüßung verweigert hätte.

Ich kenne, unabhängig von der Schullaufbahn meiner Kinder (eines Hauptschule, eines Realschule und später Gym.) viele türkische Jungen vom Fußballverein. Erst als Mutter von Mannschaftskameraden, später aus meiner Tätigkeit im Vorstand des Fußballvereins. Niemals habe ich Feindseligkeit, Frauenfeindlichkeit oder Resontiments erlebt. Schon eine gewisse Distanz hier und da. Und unabhängig von allem eine großen Nationalstolz. Leider nicht, auch nicht von denen, die in der 2. oder 3. Generation hier eingeboren sind., für Deutschland, sondern für die Türkei.

Und jetzt maße ich mir an, als nicht Pädagogin und ohne politischen Hintergrund, das aus meiner Sicht einfach einmal aufzuschlüsseln und sage frech: Es ist eine Frage der Erziehung.

Als Alleinerziehende muss ich meine Kinder davon überzeugen, das

  • sie es hier gut haben
  • es gerecht zugeht –
  • ihren Wünsche im Rahmen der Möglichkeiten Rechnung getragen wird
  • sie – abgesehen von den „heilen“ Familien, in der besten Familie leben, die es geben kann. Günstig ist es, wenn der Vater (wenn vorhanden) dieses nicht boykottiert (hat er nicht).
  • Sie stolz darauf sein können, zu dieser Familie zu gehören

Politiker müssen das sicher weiter fassen, vielleicht noch etwas mit „Perspektiven haben“. Grundsätzlich lässt es sich trotzdem auf diese Grundregeln zusammenfassen.

Und ich spreche jetzt nur von den Türken. Die „Kulturbereicherer“ lasse ich bewusst weg. Türken wussten, und deshalb sind sie nicht zurückgegangen

  • sie haben es gut hier
  • es gibt einen verlässlichen Rechtsstaat
  • sie können ihre Religion leben und ihren Wünschen wird entsprochen (im Rahmen unseres Gesetzes)
  • sie leben in einem guten Land, einem der besten, das es geben kann, und von Seiten der Türkei wurde das nie in Frage gestellt

Sie konnten aber niemals stolz auf dieses Land sein. Wir sind es doch selbst nicht. Es war ihnen deshalb nicht möglich, sich zu integrieren.

Und bevor Sie jetzt denken, ich wäre die Reinkarnation von Fr. Roth und mich steinigen wollen: Genau dieses Appeasement, dieser schwache Staat, dieses Rothsche „Deutschland, du Stück Sch***“ und von den Grünen allgemein, Teilen der SPD und Linken (Antifa) Deutschhassertum und das ewige rumlatschen im Büßergewand hat verhindert, das sie sich mit Deutschland identifizieren konnten.

Wie können wir erwarten, das stolze Türken sich integrieren in ein Land, das sich selbst verachtet? Ein Volk, das nicht stolz ist, auf das, was es geschafft hat. Das seine Verbrechen nicht vergisst und auch nicht die Opfer, aber sich – ein bisschen wie Phönix – aus der Asche erhebt. In dem Wissen und dem Versprechen an die Welt, das es sich mit aller Macht dafür einsetzt, das dieses nicht wieder geschehen kann.

Die Türken leben seit Jahrzehnten mit uns und leider, zum Teil, neben uns. Mit den Attentaten, Verbrechen, Macheten- und Messerstechern, die unsere Verbrechensstatistik bereichern, haben sie wenig zu tun. Libanesische und Osteuropäische Banden wurden – auch von Fr. Kraft und Hrn. Jäger in NRW – lange ignoriert.

Unserer politischen Kaste konnte doch nichts besseres passieren, als das Evet für Erdogan. Jetzt treiben sie gemeinsam mit den Medien zur besten Wahlzeit eine neue Sau durchs Dorf, damit dem Wähler die üble Show, die Deutschland und Europa seit Jahren mit den Türken und mit Erdogan abzieht, nicht bewusst wird. Damit die Medien mit Attentaten=Muslim=Türkei (sind ja auch Muslime) eine Ablenkung erzeugen können, die uns nicht darüber nachdenken lässt, das die Türken, egal, ob sie integriert waren, oder nicht, immer mit und neben uns gelebt haben, ohne unser Recht in Frage zu stellen.

Silvester 2015 hatte nichts mit Türken zu tun. Die Attentate, der Terror hat nichts mit Türken zu tun. Macheten- und Messerstecher haben meistens nichts mit Türken zu tun.

Die unfähige Regierung betreibt Spaltung, um von ihrer stümperhaften Arbeit und ihrer Verantwortung abzulenken. Sie machen den Türken zum Vorwurf, das sie einen Nationalstolz haben, den man uns in langer Kleinarbeit abtrainiert hat. Sie würden die Türken allein deshalb schon nie in die EU aufnehmen, weil es dann viel ungemütlicher würde, als es jetzt mit Brexit und Orban schon ist

Seit Jahren haben sie die Türkei hingehalten, immer das Möhrchen mit dem EU-Beitritt vor der Nase. Und jetzt ist das Referendum im Wahljahr ein super Medienspektakel, um von der Unfähigkeit unserer Merkel/Schäuble/Gabriel/Steinmeier Regierung abzulenken.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin auch nicht froh, über das Ergebnis des Referendums. Es hat mich aber nicht überrascht. Trotzdem bin ich sicher, das die meisten Türken, die hier leben, unsere Freunde sind. Leider müssten sie, wenn ich etwas zu sagen hätte, sich für eine Staatsangehörigkeit entscheiden.

Ich hätte, weil ich weiß, das Kinder dazu neigen, einen zu Bescheißen, an Österreichs Stelle auch Beamte zu den Wahllokalen geschickt, um zu prüfen, wer da rein geht, mit welchem Pass.

Mich erschüttert und überrascht nichts. Geprüfte Mutter zweier Kinder und „schon länger hier Lebende“ aber hoffentlich – wenn alles klappt- in Kürze Auswandernde. Warum ich auswandere? Weil ein Land, das keine Identität besitzt, das geführt wird von Menschen, die keinen Bezug zu dem Land haben, das sie regieren, mich nicht verdient hat. Weil ich auf dieses Land nicht stolz sein kann.

 

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